Stimmungstief in Chinas Industrie lässt Kurse sinken

0
416

Peking (AFP) – Das schlechte Ergebnis eines wichtigen chinesischen Industriebarometers hat die Börsen in Asien und Europa weiter auf Talfahrt geschickt. Der Index PMI fiel im August auf den niedrigsten Stand seit knapp sechseinhalb Jahren. Die Börsen von Shanghai bis Hongkong schlossen deutlich im Minus, in Europa fiel der Handelsstart schwach aus. Die neuen Zahlen befeuern die Sorge um Chinas Konjunktur.

Der vom Wirtschaftsinformationsdienst Markit berechnete PMI fiel im August auf 47,1 Punkte, wie die Mediengruppe Caixin auf Grundlage vorläufiger Berechnungen bekanntgab – das ist der niedrigste Wert seit 77 Monaten. Der Index stützt sich vor allem auf Angaben von Einkaufsmanagern und spiegelt die Aktivität in Fabriken und Manufakturen. Er gilt als Schlüsselbarometer für die konjunkturelle Entwicklung. Werte oberhalb von 50 Punkten stehen für Wachstum in der Industrie, Werte darunter signalisieren ein Schrumpfen.

China: PMI-Index

Der August-Wert drückte die Börsen in Shanghai und Shenzhen ins Minus. In Shanghai gab der Leitindex um fast 4,3 Punkte nach und schloss bei 3507,74 Punkten. Er lag damit nur knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 3500 Punkten. Über die gesamte Woche betrachtet lag das Minus bei gut 11,5 Prozent. Es handelte sich um die schwächste Handelswoche seit 2011.

In Shenzhen verlor die Börse am Freitag knapp 5,4 Prozent, über die gesamte Woche waren es 11,7 Prozent. In Hongkong betrug das Tagesminus 1,53 Prozent. Der Schlussstand von 22.409,62 Punkten war der schlechteste seit Mai 2014. In Tokio und Seoul schlossen die Märkte am Freitag ebenfalls im Minus.

Die Entwicklung belastete auch auf die europäischen Börsen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor zum Handelsstart fast zwei Prozent, der CAC 40 in Paris gab um knapp 1,7 Prozent nach und der Londoner FTSE 100 um 1,1 Prozent. Der Dax lag auch am Mittag noch im Minus. Er hatte bereits am Donnerstag mehr als zwei Prozent verloren.

„Die globalen Märkte sind in Panik, weil das Ausmaß der chinesischen Konjunkturabkühlung zunehmend sichtbar wird“, sagte Analyst Angus Nicholson von IG Markets. Nicholas Teo von CMC Markets fühlte sich gar an den Beginn der Asienkrise 1997 erinnert, wie er der Nachrichtenagentur Bloomberg News sagte. Neben der Sorge um China würden die Investoren auch von der Frage verunsichert, ob und wann genau die US-Notenbank Fed eine Leitzinserhöhung vornehmen wird, erklärte Wolfgang Albrecht von der Landesbank LBBW.

Die chinesische Wirtschaftsentwicklung sorgt seit Längerem weltweit für Besorgnis. Das Land hatte 2014 mit 7,4 Prozent das schwächste Wirtschaftswachstum seit 1990 verzeichnet. Für das laufende Jahr geht Peking von einem Plus von etwa sieben Prozent aus, Beobachter fürchten aber, dass dies nicht erreicht wird. Die chinesische Zentralbank bemüht sich mit zahlreichen Maßnahmen um ein Ankurbeln der Konjunktur, von Leitzinssenkungen über Geldspritzen für die Banken bis hin zur Abwertung des Yuan.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT