Obama: New Orleans heute stärker als jemals zuvor

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New Orleans (AFP) – Zehn Jahre nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“ in New Orleans hat US-Präsident Barack Obama den Wiederaufbau der Stadt gewürdigt, zugleich aber die fortbestehende Benachteiligung vieler schwarzer Bewohner angeprangert. „New Orleans kommt besser und stärker zurück“, sagte Obama in der US-Metropole. Allerdings gehe es vielen Afroamerikanern weiterhin deutlich schlechter als Weißen. Der US-Präsident distanzierte sich überdies vom Katastrophenmanagement seines Amtsvorgängers George W. Bush.

Obama in New Orleans

„Diese Stadt bewegt sich in die richtige Richtung und ich war nie zuversichtlicher, dass wir zusammen dorthin gelangen, wo wir hingehen müssen“, sagte Obama in einer Rede im neuen Gemeindezentrum des Viertels Lower Ninth Ward vor 600 Zuhörern. Er lobte die „außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit“ der Multikulti-Stadt New Orleans. „Sie erinnern unser Land daran, dass wir trotz all unserer Unterschiede alle im selben Boot sitzen“, sagte Obama.

Obama in New Orleans

Mit Lower Ninth Ward besuchte der schwarze US-Präsident das ärmste Viertel von New Orleans, in dem überwiegend Afroamerikaner leben. Ihre Probleme blendete Obama in seiner Rede nicht aus. „Unsere Arbeit ist nicht erledigt, wenn in dieser Stadt ein typischer schwarzer Haushalt die Hälfte von dem verdient, was ein typischer weißer Haushalt verdient“, sagte er. Außerdem lebten in New Orleans weiter fast 40 Prozent der Kinder in Armut. „Das ist keine vollständige Erholung“, bilanzierte Obama.

Der US-Präsident war am Flughafen von New Orleans vom Gouverneur von Louisiana, dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Bobby Jindal, sowie von Bürgermeister Mitch Landrieu und Senator Bill Cassidy begrüßt worden. Mit hochgekrempelten Ärmeln spazierte Obama zunächst durch den Stadtteil Tremé.

Zehn Jahre nach „Katrina“ besucht Obama New Orleans

„Dass die Häuser jetzt schön aussehen, heißt nicht, dass unsere Arbeit erledigt ist“, sagte Obama bei dem Rundgang. „Aber die Tatsache, dass wir zehn Jahre nach einer schrecklichen, epischen Katastrophe so viele Schritte tun können, ist ein Hinweis auf den Geist, der in dieser Stadt herrscht.“ Nach dem Rundgang aß Obama im Lokal Willie Mae’s Scotch House, das bekannt für seine Brathähnchen ist, bevor er in Lower Ninth Ward auftrat.

Im August 2005 war New Orleans nach einem Deichbruch weitgehend überschwemmt worden. In den Fluten kamen rund 1800 Menschen ums Leben, hunderttausende mussten ihre Wohnungen verlassen. Nach den Statistiken der US-Behörden war „Katrina“ mit einem Schaden von 150 Milliarden Dollar (131 Milliarden Euro) die kostspieligste Naturkatastrophe in der US-Geschichte.

Die Hilfe der Behörden lief äußerst langsam an. Manche Menschen warteten einen Tag lang auf Hausdächern auf ihre Rettung. Großes Unverständnis rief auch das Verhalten des damaligen Präsidenten Bush hervor, der das Katastrophengebiet vom Flugzeug aus besichtigte, aber nicht betrat. Ein Foto, das zeigt, wie Bush aus der Ferne die überflutete Stadt betrachtet, wurde zum Symbol für die Realitätsferne der Behörden.

Obama ging auch darauf ein: „Was als Naturkatastrophe begann, entwickelte sich zu einer von Menschen gemachten – ein Versagen der Regierung, sich um ihre eigenen Bürger zu kümmern“, hieß es im vorab verbreiteten Redemanuskript.

Nach Einschätzung von Michael Henderson von der Louisiana State University unterschätzt Obama allerdings die Spätfolgen des Hurrikans. Seine positive Sicht der heutigen Lage der Hafenstadt am Mississippi decke sich eher mit der Einschätzung der weißen Bevölkerung. Laut einer neuen Umfrage der Universität ist die große Mehrheit der Weißen in New Orleans der Meinung, dass sich die Stadt weitgehend von der Katastrophe erholt hat. Rund 60 Prozent der Schwarzen in New Orleans sehen das hingegen nicht so.