Mexiko will wegen vermisster Studenten weitere DNA-Tests

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Solidaritätskundgebung für Angehörige der Studenten

Ein Jahr nach der Entführung und mutmaßlichen Tötung von 43 Studenten in Mexiko suchen die Behörden nach weiteren Knochenresten zur Identifizierung der Opfer. Mit Unterstützung von unabhängigen Experten aus Argentinien untersuchten die Ermittler knapp 60.000 Knochenfragmente, um zu sehen, welche von ihnen für einen DNA-Abgleich an der Universität Innsbruck in Frage kommen könnten, sagte der Staatsanwalt für Menschenrechte, Eber Omar Betanzos. Nach seinen Angaben sind die meisten der Knochensplitter allerdings stark verkohlt.

Die Gerichtsmediziner der österreichischen Universität hatten die bisher zugeschickten Knochensplitter nur einem der verschleppten Studenten eindeutig zuordnen können. Die neuen Fragmente stammen nach Angaben des Staatsanwalts von demselben Fundort wie die vorherigen Knochenreste. Sie wurden demnach in Plastiksäcken entdeckt, die unweit einer Müllkippe des Bundesstaats Guerrero in einen Fluss geworfen worden waren.

Die Studenten waren in der Nacht zum 27. September 2014 in der Stadt Iguala in Guerrero verschwunden, nachdem sie mehrere Busse gekapert hatten, um zu einer politischen Protestaktion zu fahren. Laut Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam nahmen Polizisten die Lehramtsstudenten auf Anweisung des Bürgermeisters fest und lieferten sie an Mitglieder des Drogenkartells Guerreros Unidos aus. Demnach ermordeten Bandenmitglieder die Studenten, verbrannten ihre Leichen auf einer Müllkippe und warfen die Asche in einen Fluss. Der Staatsanwaltschaft zufolge hielten sie die Studenten irrtümlich für Mitglieder eines rivalisierenden Drogenkartells.

Angehörige der Opfer und die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) weisen die offizielle Version zurück. Demnach gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, dass die Leichen der Männer auf der Müllkippe verbrannt wurden. Sie fordern eine Untersuchung, um zu klären, ob die Studenten nicht als Vergeltung dafür getötet wurden, dass sie einen Bus voller Drogen gekapert hatten. Anlässlich des Jahrestags am Samstag planen die Eltern eine Großdemonstration in Mexiko-Stadt.

ans/ki

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