Mehr als 70 tote Flüchtlinge aus Laster nahe Wien geholt

0
230

Wien (AFP) – Bei dem Flüchtlingsdrama in Österreich sind deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als zunächst angenommen. Aus dem an einer Autobahn abgestellten Lastwagen wurden inzwischen mehr als 70 Leichen geborgen, wie ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums sagte. Am Donnerstagabend war noch von 20 bis 50 Toten die Rede gewesen. Einzelheiten will die Polizei bei einer Pressekonferenz am Vormittag bekanntgeben.

Flüchtlingsdrama in Österreich

Der Kühl-Lastwagen mit ungarischer Zulassung war in einer Pannenbucht an einer Autobahn im Burgenland abgestellt und am Donnerstag dort entdeckt worden. Da viele der Leichen bereits stark verwest waren, ist es schwierig, unmittelbar genauere Angaben zur Zahl der Toten machen. Der Lkw wird mittlerweile in einer ehemaligen Veterinärgrenzdienststelle untersucht, in der es auch eine Kühlmöglichkeit gibt.

Lastwagen mit toten Flüchtlingen in Österreich

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war das Fahrzeug am Mittwochvormittag in der Nähe von Budapest losgefahren und hatte die Nacht im Grenzbereich zu Österreich verbracht. Beamte der Autobahnpolizei hatten bemerkt, dass aus dem Fahrzeug Verwesungsflüssigkeit austrat und den Lkw daraufhin geöffnet.

Beamte der Spurensicherung untersuchen den Lastwagen

Aus welchen Ländern die toten Flüchtlinge kommen und ob sich Frauen und Kinder unter den Opfern befinden, ist noch unklar. Auch nach den Schleusern, die für das Drama verantwortlich sind, wird weiter mit Hochdruck gefahndet. Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen will die Polizei bei einer Pressekonferenz um 11.00 Uhr bekanntgeben. Die Toten sollen nach der Bergung in die Gerichtsmedizin nach Wien gebracht werden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), zeigte sich schockiert über das Flüchtlingsdrama. „Das Grausame ist, dass man das Gefühl hat: Das kann überall sein“, sagte Özoguz dem Sender SWRinfo. „Es kann im Grunde in jedem Laster im Moment so etwas passiert sein, an dem man vorbeifährt.“ Es sei „nicht zu fassen“, dass Schlepper „die echte, blanke Not anderer Menschen so brutal ausnutzen“ und sie dann einfach sterben ließen.

Die Westbalkan-Konferenz am Donnerstag in Wien habe gezeigt, dass die EU bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise langsam vorankomme, sagte Özoguz. Wichtig sei nun vor allem europäische Solidarität. „Wir brauchen eine Regelung, dass alle Länder in Europa sich an der Flüchtlingspolitik ernsthaft und nach ihren jeweiligen Möglichkeiten beteiligen“, sagte die SPD-Politikerin.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Donnerstag am Rande der Westbalkan-Konferenz in Wien erschüttert gezeigt und europäische Solidarität in der Flüchtlingskrise angemahnt.