Krach in Bayern über Festakt für Franz Josef Strauß

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München (AFP) – 27 Jahre ist Franz Josef Strauß inzwischen tot – doch in Bayern hat er einmal mehr für einen kräftigen politischen Krach gesorgt: Die bayerische Opposition will geschlossen den Staatsempfang anlässlich des 100. Geburtstags des langjährigen CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten boykottieren, wie der „Münchner Merkur“ berichtete. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer nannte dies „armselig“.

Der Festakt soll kommenden Freitag in München stattfinden, die Einladung dazu von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schlugen laut „Münchner Merkur“ SPD, Freie Wähler und Grüne geschlossen aus.

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher sagte der Zeitung, Strauß werde von der CSU „völlig unangemessen monumentalisiert“. „Die CSU betreibt geschichtsvergessene Heldenverehrung zu parteipolitischen Propagandazwecken.“ Strauß’ Bilanz sei mit fragwürdigen Rüstungsgeschäften, Vetternwirtschaft, Schmiergeldzahlungen und mit der „Spiegel-Affäre“ verbunden, sagte Rinderspacher. Politisch sei dessen Regentschaft dagegen nur „eine Episode in der Geschichte des Freistaats“ gewesen.

Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause warf Strauß vor, bestechlich gewesen zu sein. „Er war ein korrupter Politiker.“ Freie-Wähler-Fraktionschef Hubert Aiwanger beurteilt den CSU-Ehrenvorsitzenden nach eigenen Worten zwiespältig. Als Politiker habe er Bayern vorangebracht. Er sei aber „wohl persönlich korrupt gewesen“ und habe der CSU Geld aus „dubiosen Kanälen“ gesichert, sagte er dem „Merkur“.

CSU-Generalsekretät Andreas Scheuer

Dass er nicht an dem mit mehreren hundert Gästen geplanten Festakt teilnimmt, begründete Aiwanger allerdings damit, dass ihm der Termin „nicht wichtig genug“ sei. Er gehe zur gleichen Zeit lieber zum Festzug der Passauer Dult, einem Volksfest in Niederbayern.

CSU-Generalsekretär Scheuer nannte es „armselig, wie die bayerische Opposition das staatliche Gedenken an einen langjährigen Bayerischen Ministerpräsidenten missbraucht, um selbst mal wieder in den Medien aufzutauchen“. Er warf SPD, Freien Wählern und Grünen absurde Verzerrungen vor. SPD-Fraktionschef Rinderspacher bestätige „mit seinem unwürdigen Verhalten jedes Urteil von Strauß über die Bayern-SPD“, erklärte Scheuer.

Auch die bayerische Staatskanzlei reagierte auf die Absagen. Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) sprach von „einem fragwürdigen Politikverständnis“. „Ein solches Jubiläum ist kein Anlass für parteipolitische Profilierungsversuche. Ohne Franz Josef Strauß wäre Bayern heute nicht das, worauf wir so stolz sind.“ Der am 6. September 1915 geborene Strauß war von 1961 bis zu seinem Tod 1988 CSU-Chef, dazu mehrmals Bundesminister und von 1978 an Ministerpräsident.

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