IS-Miliz sprengt Baal-Tempel in Palmyra vollständig

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Satelliten-Aufnahme des Baal-Tempels vom 31. August

Satellitenbilder bestätigten schlimmste Befürchtungen

In Palmyra haben sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Am Montagabend von der UNO veröffentlichte Satellitenbilder zeigen, dass der weltberühmte Baal-Tempel der antiken syrischen Oasenstadt dem Erdboden gleich gemacht worden ist. Die Extremisten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatten den 2000 Jahre alten Tempel, der das wichtigste Denkmal der römischen Ausgrabungsstätte von Palmyra war, am Sonntag gesprengt.

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Satellitenbilder belegen Tempel-Zerstörung in Palmyra Auf einer auf den 27. August datierten Satellitenaufnahmen ist eine rechteckige von Säulen umgebene Anlage zu sehen. Auf einer Aufnahme vom 31.8. sind dagegen nur noch einige der Säulen erkennbar.

„Wir können die Zerstörung des Hauptgebäudes des Baal-Tempels sowie einer Säulenreihe in der unmittelbaren Nachbarschaft bestätigen“, erklärte das Forschungs- und Ausbildungsinstitut der Vereinten Nationen (Unitar). Das Institut stützt sich auf Satellitenaufnahmen, welche die Tempelanlage vor und nach einer Explosion zeigen. Auf der Aufnahme sind von dem imposanten Tempel nur noch einige Säulen erkennbar.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte in der Nacht zum Montag mitgeteilt, dass die IS-Dschihadisten den größten Tempel Palmyras gesprengt hätten. Erst vor einer Woche hatte der IS den antiken Tempel von Baalschamin in der Unesco-Welterbestätte Palmyra in die Luft gesprengt und damit international Bestürzung hervorgerufen. Seit der Eroberung der Stadt Ende Mai war befürchtet worden, dass die Extremisten die Ruinen zerstören.

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Archivbild des Baal-Tempels aus dem Jahr 2014 Der IS hatte die antike Stadt Palmyra Ende Mai erobert. Seither mehren sich die Hinweise, dass die Islamisten die Schätze der Stadt nach und nach zerstören, um so die Zeugnisse vormuslimischer Kulturen zu vernichten.

„Der Baal-Tempel war das schönste Symbol von ganz Syrien. Es war der schönste Ort für einen Besuch. Und wir haben ihn für immer verloren“, sagte der Leiter der syrischen Antikenverwaltung, Maamun Abdelkarim. „Sie haben Palmyra getötet, nun terrorisieren sie es. Es ist die letzte Warnung vor der vollständigen Zerstörung Palmyras.“ Er warnte, auch die verbleibenden Ruinen wie das römische Theater und die Grabmäler der Nekropole seien nun bedroht.

Cheikhmus Ali von der Vereinigung zum Schutz der Syrischen Archäologie warnte, die Zerstörung der Ruinen sei ein Versuch, in den Schlagzeilen zu bleiben. „Je mehr wir den brutalen Aktionen des IS mediale Aufmerksamkeit widmen, desto mehr werden sie dies wiederholen“, sagte Ali. Auch Charlie Winter vom Londoner Politikinstitut Quilliam Foundation sagte, die IS-Miliz genieße nichts so sehr wie die Verurteilung ihrer Taten, da ihr dies Aufmerksamkeit sichere.

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Palmyra Palmyra gilt als antike Perle in der syrischen Wüste, doch seit ihrer Eroberung Ende Mai durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) werden ihre Schätze nach und nach zerstört. Nun wurde bekannt, dass die Extremisten offenbar den Baal-Tempel, das größte Heiligtum der antiken Stätte, teilweise in die Luft gesprengt haben. Erst vor einer Woche hatten sie gegen den Tempel von Baalschamin gewütet. Grafik: Karte.

In der radikalen Interpretation des Islam der Dschihadisten seien die antiken Tempel „Symbole der Vielgötterei“, sagte Winter. „Sie sind vorislamisch und werden vom IS als nicht existenzwürdig betrachtet.“ Er verwies darauf, dass die Regierungstruppen sich Palmyra näherten. Je näher die Armee der Rückeroberung der Stadt sei, desto wahrscheinlicher werde es, dass die Extremisten die verbliebenen Ruinen zerstörten, warnte der Experte.

© 2015 AFP