Anschlag auf bewohntes Asylheim in Niedersachsen

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Hameln (AFP) – Die jüngsten Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte haben eine neue Dimension erreicht: Nachdem zuletzt noch unbewohnte Flüchtlingsheime Ziel von Anschlägen waren, verübten Unbekannte in Salzhemmendorf in Niedersachsen einen Brandanschlag auf eine von etwa 40 Flüchtlingen bewohnte Unterkunft. Politiker zeigten sich entsetzt, SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nannte den Anschlag „offenen Terrorismus“.

Ausschreitungen von Rechtsextremen in Heidenau

Nach Angaben eines Polizeisprechers in Hameln warfen die Attentäter einen Molotow-Cocktail durch ein Fenster eines ehemaligen Schulgebäudes, das als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. Durch den Brandsatz seien ein Teppich und eine Matratze in Brand geraten. Eine in einem Nebenraum mit ihren drei Kindern schlafende Asylbewerberin aus Simbabwe habe den Angriff bemerkt und sich unverletzt retten können.

Gesperrte Asylunterkunft in Salzhemmendorf

„Um es klar zu sagen: Das war versuchter Mord“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der den Tatort besuchte. „Ich bin tief bestürzt darüber, dass eine Familie, die vor Gewalt geflüchtet ist, bei uns erneut Gewalt erleben musste.“ Niedersachsens Innen-Staatssekretär Stephan Manke (SPD) nannte den Anschlag „eine feige und widerwärtige Tat“. Die oder der Täter müssten schnell gefasst und bestraft werden.

Die alarmierte Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen, eine größere Ausbreitung des gegen zwei Uhr nachts ausgelösten Feuers hätte zu einer Katastrophe führen können. Dem Polizeisprecher zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa vierzig Flüchtlinge in dem Gebäude. Die betroffene Familie wurde in eine Ersatzunterkunft gebracht, die übrigen Flüchtlinge konnten in der ehemaligen Schule bleiben.

Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte

Nach den Angaben des Polizeisprechers kam der Anschlag überraschend. Es habe in dem Ort keinerlei Proteste gegen das Flüchtlingsheim gegeben, es gebe auch keine rechte Szene.

Politiker sehen nun eine neue Qualität der Angriffe auf Flüchtlingsheime erreicht. „Die Rechtsradikalen gehen offenbar zum offenen Terrorismus gegen Flüchtlinge über“, sagte SPD-Generalsekretärin Fahimi. Bei dem Anschlag sei die „Gefährdung von Menschenleben mindestens in Kauf genommen worden“.

Die Grünen-Rechtsexpertin Katja Keul sagte, „mit dem Anschlag auf eine bewohnte Unterkunft, bei dem der Tod von Menschen gewollt oder zumindest in Kauf genommen wurde, hat der Fremdenhass in diesen Tagen eine weitere Grenze überschritten. Wir sind erschüttert, dass Flüchtlinge direktes Ziel des Anschlages waren.“

Angesichts der bundesweiten Serie von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte forderte Keul, der Generalbundesanwalt müsse die Ermittlungen an sich ziehen. „Es muss verhindert werden, dass sich eine Terrorserie in Deutschland wiederholt.“

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ beauftragte das Bundesinnenministerium mittlerweile das Bundeskriminalamt, sämtliche Angriffe auf Asylbewerber-Unterkünfte für das Jahr 2015 gesondert zu erfassen, dokumentieren und an das Ministerium zu melden. Das BKA habe für das laufende Jahr bis zum Donnerstag bereits 335 rechtsextremistisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerber-Unterkünfte registriert, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

ran/jdö/uk

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